„Einsame Männer im Regen“ Rezension im Darmstädter Echo vom 2. Januar 2018

EINSAME MÄNNER IM REGEN

Von Johannes Breckner

DARMSTADT/GROSS-GERAU – Böse Menschen könnten von einer Mogelpackung sprechen. „Frankfurt-Krimi“ steht auf dem neuen Buch von Ralf Schwob, aber die meisten Teile der Handlung spielen da, wo Schwobs Bücher immer spielen – in seiner Heimat im Ried, in Groß-Gerau, in Büttelborn, das nicht sehr charmant als „Kaff“ bezeichnet wird. Aber auch Groß-Gerau erscheint nicht gerade als verlockender Ort, zumal in diesem Roman meistens schlechtes Wetter herrscht, das die Reihenhäuser und Einkaufszentren noch grauer erscheinen lässt.

Der Holbeinsteg, die Fußgängerbrücke zwischen dem Frankfurter Bahnhofsviertel und dem Sachsenhäuser Museumsufer, ist nur kurz der Schauplatz einer rätselhaften Aktion. Da treffen sich zwei Männer, reden über die Eintracht und schieben sich dann ein geheimes Papier zu. Überhaupt montiert der Roman ziemlich viele parallele Handlungen aneinander, deren Zusammenhang sich dem Leser nur langsam erschließt. Umso plastischer sind die Charaktere, die man auf den ersten Seiten kennenlernt. Es sind vor allem einsame Männer, der ehemalige Heizungsmonteur Kowalski, der als Wachmann in einer Unterkunft von Zeitarbeiterinnen arbeitet, der ehemalige Lehrer Ingo Bäumler, der von der Boulevardpresse zum Verführer einer Schülerin abgestempelt wurde und seine Familie verlor, der Witwer Heiner, der seine Fäuste nicht unter Kontrolle hat, wenn fiese Jugendliche seinen Hund Rosi piesacken. Und da ist Larissa, die nach dem Slawistik-Studium eigentlich eine Doktorarbeit schreiben wollte, jetzt aber Leiharbeiterinnen in Osteuropa rekrutiert. Ein Zufall lässt sie nach der Spur einer verschwundenen jungen Frau aus Rumänien suchen. Wie sie als Slawistin zu rumänischen Sprachkenntnissen gelangt, bleibt allerdings ein Rätsel.

Aber die erzählerische Strategie geht auf: Die starken Figuren halten das Interesse so lange wach, bis sich die Handlungsfäden in diesem Thriller verknüpfen, bisweilen auf durchaus überraschende Weise. Schwob führt die Leser mit seinem starken Erzähltalent an menschliche Abgründe. Und die sind natürlich in der Metropole zuhause.