Rezension „Holbeinsteg“ im Frankfurter Bücherzettel

Warum verschwindet eine junge Frau?

Während Fußball-Frankfurt gebannt den Weg der deutschen Kicker zum Weltmeistertitel 2014 verfolgt, gehen andere in und um die Mainmetropole ihren – bisweilen recht anrüchigen – Geschäften nach, kämpfen mit den Geistern einer unerfreulichen Vergangenheit oder versuchen als Neuankömmlinge aus weniger glücklichen Weltgegenden hier einen Fuß auf den Boden zu kriegen.

Als einer dieser Menschen, eine junge Frau aus Rumänien, plötzlich von der Bildfläche verschwindet und die neue Mitarbeiterin einer dubiosen Arbeitsvermittlung sich auf die Suche nach ihr macht, kommen die Dinge in Fluss, die zunächst nebeneinander verlaufenden Leben der Protagonisten kreuzen und verknoten sich. Schließlich führen die Wege aller Beteiligten in ein heruntergekommenes Haus in Sachsenhausen, das aber nicht alle von ihnen lebend wieder verlassen werden.

Auf den kühl und exakt recherchierenden Kommissar oder den gefinkelten Privatdetektiv wird man vergeblich warten; die eine Hauptperson, den „Helden“ serviert der Autor seinen Lesern nicht. Stattdessen agiert eine Anzahl von normalen bis ziemlich kaputten Typen, wie man ihnen jeden Tag begegnet, in einer zunehmend komplexen Situation, die sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und bisweilen darüber hinaustreibt – und den Leser in ihr Dasein hineinzieht und immer wieder überrascht. ts

Ralf Schwob: Holbeinsteg. Frankfurt-Krimi, Societätsverlag: Frankfurt 2017, 320 S., 12,80 Euro