Eindrücke von der Lesung am 7. April in Hochheim

€ 400 konnten am Lesungsabend in den Hochheimer Main-Terrassen für die tiergestützte Therapie durch „Freudenschimmer“ gesammelt werden. Von oben nach unten und links nach rechts: Ralf Schwob, Bolle, Karin Büchel, Susanne Horn und Ehemann, Publikum.

Rezension „Holbeinsteg“ im Frankfurter Bücherzettel

Warum verschwindet eine junge Frau?

Während Fußball-Frankfurt gebannt den Weg der deutschen Kicker zum Weltmeistertitel 2014 verfolgt, gehen andere in und um die Mainmetropole ihren – bisweilen recht anrüchigen – Geschäften nach, kämpfen mit den Geistern einer unerfreulichen Vergangenheit oder versuchen als Neuankömmlinge aus weniger glücklichen Weltgegenden hier einen Fuß auf den Boden zu kriegen.

Als einer dieser Menschen, eine junge Frau aus Rumänien, plötzlich von der Bildfläche verschwindet und die neue Mitarbeiterin einer dubiosen Arbeitsvermittlung sich auf die Suche nach ihr macht, kommen die Dinge in Fluss, die zunächst nebeneinander verlaufenden Leben der Protagonisten kreuzen und verknoten sich. Schließlich führen die Wege aller Beteiligten in ein heruntergekommenes Haus in Sachsenhausen, das aber nicht alle von ihnen lebend wieder verlassen werden.

Auf den kühl und exakt recherchierenden Kommissar oder den gefinkelten Privatdetektiv wird man vergeblich warten; die eine Hauptperson, den „Helden“ serviert der Autor seinen Lesern nicht. Stattdessen agiert eine Anzahl von normalen bis ziemlich kaputten Typen, wie man ihnen jeden Tag begegnet, in einer zunehmend komplexen Situation, die sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und bisweilen darüber hinaustreibt – und den Leser in ihr Dasein hineinzieht und immer wieder überrascht. ts

Ralf Schwob: Holbeinsteg. Frankfurt-Krimi, Societätsverlag: Frankfurt 2017, 320 S., 12,80 Euro

Buchvorstellung im Kundenmagazin Bücher-Lieblinge der Buchhandlung Bornhofen

Routiniert gut
Hätte Larissa Winterkorn wie geplant ihren Doktor gemacht, wäre alles anders gekommen; doch stattdessen dolmetscht sie für eine Arbeitsvermittlung auf Fahrten nach Rumänien und Bulgarien. Dort hält ihr eine alte Frau das Foto ihrer in Deutschland verschwundenen Tochter hin – und Larissa, die für ihren Job sowieso nur Unbehagen empfindet, beginnt, diese junge Frau zu suchen. Ingo Bäumler hingegen kann seit seines „Falls“ nicht mehr arbeiten, er leidet an Panikattacken und Depressionen. Als ihm eines Abends sein sehr herber Nachbar zu Hilfe eilt und dessen Hund Rosi seine Zuneigung zu Bäumler entdeckt, entwickelt sich langsam eine Art Gemeinschaft. Bald sind sie allesamt in ein Verbrechen verstrickt, in dem auch der dubiose Wachmann Manfred Kowalski eine Rolle spielt. Doch was läuft hinter den Kulissen eigentlich ab?
Auch wenn Frankfurt-Krimi auf dem Titel steht – tatsächlich spielt Ralf Schwobs neuer Roman sowohl in Frankfurt als auch in Groß-Gerau. Und in einem kleinen rumänischen Ort namens Kleinkopisch. Schwob hat auch in seinem sechsten Roman wieder sehr genau beobachtet, die von ihm gezeichneten Figuren sind stimmig, die Abläufe kriminell logisch. Trotz dass schon recht bald alles in eine Richtung zu weisen scheint: So einfach macht der Autor es uns nicht. „Holbeinsteg“ ist ein Roman, der bis zum Schluss durch ungewöhnliche Wendungen besticht.
Ralf Schwob: „Holbeinsteg“, Societäts-Verlag, € 12,80        

„Einsame Männer im Regen“ Rezension im Darmstädter Echo vom 2. Januar 2018

EINSAME MÄNNER IM REGEN

Von Johannes Breckner

DARMSTADT/GROSS-GERAU – Böse Menschen könnten von einer Mogelpackung sprechen. „Frankfurt-Krimi“ steht auf dem neuen Buch von Ralf Schwob, aber die meisten Teile der Handlung spielen da, wo Schwobs Bücher immer spielen – in seiner Heimat im Ried, in Groß-Gerau, in Büttelborn, das nicht sehr charmant als „Kaff“ bezeichnet wird. Aber auch Groß-Gerau erscheint nicht gerade als verlockender Ort, zumal in diesem Roman meistens schlechtes Wetter herrscht, das die Reihenhäuser und Einkaufszentren noch grauer erscheinen lässt.

Der Holbeinsteg, die Fußgängerbrücke zwischen dem Frankfurter Bahnhofsviertel und dem Sachsenhäuser Museumsufer, ist nur kurz der Schauplatz einer rätselhaften Aktion. Da treffen sich zwei Männer, reden über die Eintracht und schieben sich dann ein geheimes Papier zu. Überhaupt montiert der Roman ziemlich viele parallele Handlungen aneinander, deren Zusammenhang sich dem Leser nur langsam erschließt. Umso plastischer sind die Charaktere, die man auf den ersten Seiten kennenlernt. Es sind vor allem einsame Männer, der ehemalige Heizungsmonteur Kowalski, der als Wachmann in einer Unterkunft von Zeitarbeiterinnen arbeitet, der ehemalige Lehrer Ingo Bäumler, der von der Boulevardpresse zum Verführer einer Schülerin abgestempelt wurde und seine Familie verlor, der Witwer Heiner, der seine Fäuste nicht unter Kontrolle hat, wenn fiese Jugendliche seinen Hund Rosi piesacken. Und da ist Larissa, die nach dem Slawistik-Studium eigentlich eine Doktorarbeit schreiben wollte, jetzt aber Leiharbeiterinnen in Osteuropa rekrutiert. Ein Zufall lässt sie nach der Spur einer verschwundenen jungen Frau aus Rumänien suchen. Wie sie als Slawistin zu rumänischen Sprachkenntnissen gelangt, bleibt allerdings ein Rätsel.

Aber die erzählerische Strategie geht auf: Die starken Figuren halten das Interesse so lange wach, bis sich die Handlungsfäden in diesem Thriller verknüpfen, bisweilen auf durchaus überraschende Weise. Schwob führt die Leser mit seinem starken Erzähltalent an menschliche Abgründe. Und die sind natürlich in der Metropole zuhause.

Wohnzimmerlesungen für einen guten Zweck

Soll es mal ein etwas anderes Weihnachtsgeschenk sein? Wie wäre es mit einer Wohnzimmerlesung? Eine Autorenlesung im privaten Rahmen, deren Erlös vollständig für humanitäre bzw. soziale Zwecke gestiftet wird. Wer mich buchen möchte, kann dies gern tun, über den Link „Wohnzimmerlesungen buchen und mehr“ im Link-Menü gelangt man zur Seite von „Autorhenhelfen“, dort bin ich unter „Darmstadt“ gelistet. Natürlich steht dort auch alles zum genauen Prozedere und viele andere interssanten Autoren und Autorinnen sind buchbar.

 

Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse

Am Messesonntag sprach ich auf der FAZ-Bühne vor interessiertem Publikum mit meinem Verleger René Heinen über mein neues Buch „Holbeinsteg“.

Kriminetz-Rezension von „Holbeinsteg“

Der Holbeinsteg ist ein eiserner Steg über den Main in Frankfurt, nur für Fußgänger. Eisern sind die Umstände, die junge Frauen aus Rumänien ins vermeintlich bessere Leben nach Deutschland treiben. Die, die sich nichts darüber vormachen, was sie erwartet, hoffen, sie halten es irgendwie aus. Aber sie zerbrechen genauso daran wie die anderen, die Illusionen hatten über ihr Leben hier. Denn es ist eben nicht auszuhalten, das Leben, in dem viele Frauen aus Osteuropa in Deutschland landen. Das Sehnsuchtsland entpuppt sich als kalt. Gestörte Typen scheinen mit ihrem Verlangen nach „frischer Ware“ ihr rastloses Funktionierenmüssen in einer sich immer schneller drehenden globalen Welt zu kompensieren.

Ralf Schwobs Hauptfiguren in seinem Frankfurt-Krimi „Holbeinsteg“, erschienen im Societäts Verlag, sind einfache Menschen. Der Ex-Lehrer, dessen Berufsweg abrupt endete und der seitdem in Selbstmitleid und in einer unordentlichen Wohnung versinkt. Der Typ, der seine Frau an noch schrägere Typen stundenweise verkauft. Die Frau, die ihre Schwester sucht. Jungunternehmer Philipp, der anderen in die Quere kommt. Ein Ex-Söldner wird von seinen Erinnerungen gequält. Sogar Hund Rosi hat eine Störung und fühlt sich auf merkwürdige Weise hingezogen zu gebrochenen Gestalten. Es ist jedoch kein voyeuristischer Blick, den der Schriftsteller auf seine Figuren wirft, während er Realitäten aufzeigt.

Da ist dann noch Larissa, eine Frau aus betuchten Verhältnissen, die sich in den Kopf gesetzt hat, ihren Weg ohne das ebnende elterliche Geld zu schaffen. Aber die Promotionsstelle bekommt jemand anderes und plötzlich steht sie da, mit ihrem geisteswissenschaftlichen Abschluss ebenfalls hart aufgeschlagen in der Realität. Ihr Job bei einer Arbeitsvermittlung erscheint ihr als Anker. Aber da stößt sie auf das Verschwinden einer jungen Frau aus Rumänien und beginnt, sie auf eigene Faust zu suchen.

Ralf Schwob hat sprachgewandt einen spannenden Gesellschafts-Krimi geschrieben, der gänzlich ohne Effekthascherei auskommt. Er porträtiert Menschen, die kaputt in einem System leben, in dem man nur noch mit Geldinvestitionen etwas verdienen kann und in dem es immer schwieriger wird, von seiner Hände Arbeit zu leben. Larissas reiche Eltern im Roman, Profiteure des Systems, erklären diese Ungleichverteilung quasi als naturgegeben.

Am Ende treffen beinahe alle in einem alten Haus aufeinander. Ralf Schwob führt die verschiedenen Handlungsstränge gekonnt zusammen. Nicht alle seiner glaubwürdig gezeichneten Charaktere verlassen dieses Haus lebend. Die anderen finden einen Weg, den sie am Anfang nicht sahen. Manchmal sind Umwege heilsam. Unaufgeregt und sehr gekonnt erzählt Ralf Schwob einen spannenden Krimi, der neugierig macht auf seinen nächsten.

Buchmesse Frankfurt vom 11.-15. Oktober 2017

Am Buchmessensonntag spreche ich um 12:30 Uhr auf der F.A.Z.-Bühne mit René Heinen vom Societäts Verlag über mein neues Buch „Holbeinsteg“.

WIR-Tischgespräch mit W. Christian Schmitt