Zwei Jahre lang war die Erzählung “Der stillste Tag im Jahr” vergriffen. Nun erscheint im Bornhofen Verlag eine komplett überarbeitete Neuauflage des Titels. Das neue Cover wurde von der Groß-Gerauer Künstlerin Christine-Katharina Krämer exklusiv für das Buch entworfen. Der Text wurde um ein Nachwort des Autors und ein Begleitwort von Anke Creachcadec, der Projektkoordinatorin des “Bündnis gegen Depression im Kreis Groß-Gerau”, erweitert. Das Buch ist im Juli/August 2018 über den Buchhandel erhältlich.

“Ich kann die vorliegende Erzählung rundum empfehlen für alle, die sich für das Thema Depression interessieren oder die damit selbst oder im Umfeld zu tun haben. Sie schafft es, tiefes Verständnis für die Erkrankung und die Nöte der Betroffenen und ihrer Angehörigen aufzuzeigen.”
Anke Creachcadec, Bündnis gegen Depression im Kreis Groß-Gerau

Lucia Bornhofen über die Buchpreisbindung und die kulturellen Leistungen des Buchhandels

Die Monopolkommission hat gerade eine Empfehlung ausgesprochen: Sie hält die Buchpreisbindung für nicht notwendig. Da bin ich anderer Meinung – und darum habe ich diese Mail an besagte Kommission verfasst:

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
Sie haben nun also eine Empfehlung dafür ausgesprochen, die Buchpreisbindung aufzuheben. Als Entscheidungsbasis wählten Sie (wenn ich richtig informiert bin) die Preisbindung für Arzneimittel, bzw. die Erfahrungen, die man gemacht hat, seit ausländische Versender zu niedrigeren Preisen in Deutschland verkaufen dürfen.
Einerseits verstehe ich diese Idee – Preisbindung ist Preisbindung, so kann man denken.
Andererseits stimmt der Vergleich leider gar nicht. Denn Buchhandlungen leisten sehr viel mehr als einfach nur Beratung und Verkauf von Waren. Sie sind aktiv in Kindergärten und Schulen, stemmen unzählige Veranstaltungen im Jahr, machen also Kulturarbeit und Leseförderung. Und das im Regelfall OHNE zusätzliche Bezahlung. Wir Buchhändler*innen (es hat ja seinen Grund, dass ich Ihnen schreibe – seit 20 Jahren führe ich ein allgemeines Sortiment in einer Kleinstadt) übernehmen damit sehr wichtige Aufgaben im Alltag der Bürger*innen. Wir leben (nur) vom Buchverkauf, aber wir machen letztendlich eine Stadt lebenswert. Dafür gibt es Statistiken … Und nicht nur das: Es gibt einen eigenen Buchhandelspreis, der seit drei Jahren sichtbar macht, was Buchhandlungen alles leisten. Sie können sicher sein, dass es jeweils nicht nur die 117 ausgezeichneten Buchhandlungen sind, die viel tun – in der überwiegenden Zahl der Buchhandlungen wird Kulturarbeit und Leseförderung mit großem Elan und Wissen geleistet!
Die Buchpreisbindung ist dafür essenziell. Denn sie stellt sicher, dass Bücher nicht zu Dumpingpreisen verkauft werden, überall dort, wo es wirklich nur ums Verkaufen geht. Bereits heute stehen in jedem Supermarkt Bestseller der entsprechenden Listen, verkauft der Baumarkt Harry Potter (so geschehen beim heiß ersehnten siebten Band), versenden Großanbieter Bücher – alle, ohne die oben beschriebene Arbeit zu leisten. Warum sollten sie auch, es ist ja nicht ihr Job! Wenn die Buchpreisbindung fällt, dann werden die Buchpreise fallen (die im Übrigen seit fast 20 Jahren noch nicht mal Steigerungen in Höhe der Inflation hatten). Wenn die Buchpreise fallen, schließen die Buchhandlungen. Denn über Menge und Mengeneinkaufspreise können wir nichts regulieren. Großanbieter hingegen können das. Aber Großanbieter spielen, egal ob online oder offline keinerlei Rolle bei der Vermittlung von Bildung, von Lebensfreude, von „Zivilisation“ über den reinen Verkauf von Büchern hinaus.
Dass die Buchpreisbindung darüber hinaus eine Vielfalt fördert, das sei außerdem erwähnt. Aber dazu haben die Verlage sicher genug zu sagen.
Vielleicht – ich hoffe das sehr – ist meine Stellungnahme eine, die Sie zum Umdenken anregt. Ich bin mir sicher, dass Sie in den nächsten Tagen noch sehr viel mehr in dieser Hinsicht zu lesen bekommen …
Mit freundlichen Grüßen
Lucia Bornhofen
Buchhandlung Bornhofen e. K.
Magdalenenstraße 55, 64579 Gernsheim
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin 2018

Die extrem kurze Zeit der Seligkeit. Zehn Erzählungen und ein Hörspiel von PH Gruner
Rezension von Ralf Schwob
Für einen extrem kurzen Moment sind sie wirklich alle selig, die Protagonisten in Paul-Hermann Gruners Erzählungen. Was danach kommt, erspart uns der Autor manchmal und manchmal nicht, etwa in der Geschichte „Piper nigrum“, in der ein kleines Missgeschick am Ende zum Tod des sonst so sorgsam planenden Abel führt. Überhaupt steht am Ende dieser Erzählzungen oft der Tod, die absolute Entgrenzung, die Selbstauflösung. In diesem Sinne löst PH Gruner das Diktum Hemingways ein, nach dem alle Geschichten mit dem Tod enden und ein guter Erzähler dies niemals verschweigen dürfe. Damit enden allerdings schon die Parallelen zu Ernest Hemingway, denn Gruners elaborierter Stil ist meilenweit entfernt von der doch eher kargen Sprache des US-Amerikaners.
Es sind Geschichten, die alltäglich beginnen. Es kommt zu einer kleinen Störung im Ablauf des normalen Geschehens, kaum dass es bemerkenswert wäre, ein zweite und dritte Abnormität schleicht sich ein, und langsam aber unaufhaltsam schlittert der Mensch in eine bizarre Welt, in der eine verquere Traumlogik, in vielen Fällen die Logik des Alptraums, die Oberhand gewinnt. In „Linie 19“ weicht die Straßenbahn vom gewohnten Kurs ab, die gewohnte Umgebung entlang der Gleise verschwindet, der Kontakt zur Leitstelle bricht ab, und während dem Ich-Erzähler so langsam die gewohnte Welt abhandenkommt, fragt sich der Leser, ob es wirklich die Welt ist, die sich da auflöst oder am Ende doch der Erzähler selbst.
So geht es in den meisten der hier versammelten Erzählungen, am Ende ist etwas passiert und anders als am Anfang, man weiß nur nicht immer genau was. Dieses Prinzip unterläuft Gruner jedoch in seinen Kindheits- und Jugendstücken, die den Kosmos der juvenilen Kränkungen, Unsicherheiten und Demütigungen einfangen, etwa in den Erzählungen „Conni und Lingus“ und „Wasser und Bier“. Dennoch haben alle Geschichten ein leicht kafkaeskes Moment, vor allem wenn in „Ein Abgrund an Hoffnung“ der Ich-Erzähler gleich ein Kater ist, der den Verlust seines buschigen Schwanzes beklagt, im Krankenhaus als Mensch wahrgenommen wird und sich am Ende in den Traum flüchtet, ein Wurm zu sein.
Dies alles erzählt PH Gruner gekonnt unterhaltsam. Der Autor beherrscht die leisen Töne der Ironie genauso wie die brachiale Groteske, und der Leser verliert sich gern in der Sprache und den Bildern dieser kurzen Seligkeit. Wenn er in seinem Hörspiel „Tessiner Telefonat“ am Ende des Bandes den Luganer See trockenlegt und dafür den Lago Maggiore über die Ufer treten lässt, tut er dies mit einer derart bestechenden Logik, dass man dem armen überschwemmten Italiener Luigi zusammen mit seinem Schweizer Freund Carlo zurufen möchte: „Schwimm raus! Schwimm um dein Leben!“
PH Gruner: Die extrem kurze Zeit der Seligkeit. Zehn Kurzgeschichten und ein Hörspiel. Hrsg. von der Gesellschaft hessischer Literaturfreunde. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2018. 167 Seiten. Paperback. € 15,80. ISBN 978-3-87390-405-7.

Am 18. Mai war ich zu Gast bei Violas Bücherwurm in Kelkheim. Vielen Dank an die beiden rührigen Buchhändlerinnen Maren von Hoerschelmann und Viola Christ-Ritzer!

€ 400 konnten am Lesungsabend in den Hochheimer Main-Terrassen für die tiergestützte Therapie durch “Freudenschimmer” gesammelt werden. Von oben nach unten und links nach rechts: Ralf Schwob, Bolle, Karin Büchel, Susanne Horn und Ehemann, Publikum.

„Jenseits des Unheimlichen, das im Thriller ‚Holbeinsteg‘ die Atmosphäre auflädt, sind es detailreiche Beschreibungen der handelnden Personen in ihrer Umgebung sowie Einblicke in ihr Innenleben, die den literarischen Könner verraten.“ – Main-Spitze

Die erzählerische Strategie geht auf: Die starken Figuren halten das Interesse so lange wach, bis sich die Handlungsfäden in diesem Thriller verknüpfen, bisweilen auf durchaus überraschende Weise. Schwob führt die Leser mit seinem starken Erzähltalent an menschliche Abgründe. Und die sind natürlich in der Metropole zuhause.“ – Darmstädter Echo

„Ralf Schwob hat sprachgewandt einen spannenden Gesellschafts-Krimi geschrieben, der gänzlich ohne Effekthascherei auskommt. Er porträtiert Menschen, die kaputt in einem System leben, in dem man nur noch mit Geldinvestitionen etwas verdienen kann und in dem es immer schwieriger wird, von seiner Hände Arbeit zu leben. […] Unaufgeregt und sehr gekonnt erzählt Ralf Schwob einen spannenden Krimi, der neugierig macht auf seinen nächsten.“ – Kriminetz

„Auf den kühl und exakt recherchierenden Kommissar oder den gefinkelten Privatdetektiv wird man vergeblich warten; die eine Hauptperson, den ‚Helden‘ serviert der Autor seinen Lesern nicht. Stattdessen agiert eine Anzahl von normalen bis ziemlich kaputten Typen, wie man ihnen jeden Tag begegnet, in einer zunehmend komplexen Situation, die sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und bisweilen darüber hinaustreibt – und den Leser in ihr Dasein hineinzieht und immer wieder überrascht.“ – Bücherzettel der Stadt Frankfurt